Meilenstein für dezentrale thermische Klärschlammbehandlung

8.September 2014
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Thermische Klärschlammbehandlung

 

Spatenstich für die erste großtechnische Anlage auf der Kläranlage Linz-Unkel unter Beisein von Staatssekretär Dr. Griese am 25.08.2014

Seit 2005 begleitet die Ingenieurgesellschaft Dr. Siekmann + Partner mbH die Entwicklung der thermischen Klärschlammbehandlung für Kläranlagen kleiner und mittlerer Größe. Nach mehreren Auf und Ab's erfolgte am 25.08.2014 der Spatenstich der ersten Anlage dieser Art für Klärschlamm auf der Kläranlage Linz-Unkel (28.800 E). Die Anlage hat bundesweit somit eine Pilotfunktion.

Laut Koalitionsvertrag ist ein Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung mittelfristig vorgesehen. Alternativ wird daher der Einsatz thermischer Klärschlammbehandlungsverfahren erforderlich. Eine Mitverbrennung des entwässerten und getrockneten Klärschlammes in Kohlekraftwerken bzw. in der Zementindustrie ist nicht der richtige Weg, da hierdurch die Rückführung des Phosphors in den Stoffkreislauf verhindert wird. Es darf auch nicht das Ziel sein, wenige Mono-Verbrennungsanlagen auf sehr großen Kläranlagen zu errichten, da dies wiederum dem Klärschlammtourismus Vorschub leistet. Im Zuge der Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit ist gerade hierauf unbedingt zu verzichten.

Demzufolge verbleiben dezentrale Lösungen zur Mineralisierung des entwässerten und getrockneten Klärschlammes. Mit der vorgesehenen Anlage wird der Stoffkreislauf geschlossen. Klärschlamm dient nicht nur als Energieträger, sondern die entstehende Klärschlammasche wird auch als Düngemittel genutzt. Durch eine Verfahrensoptimierung wird die Pflanzenverfügbarkeit des Phosphors in der Klärschlammasche weiter erhöht, so dass diese ohne weitergehende Phosphorrückgewinnung als Düngemittel eingesetzt werden kann. Aufgrund der positiven Ergebnisse der durchgeführten Pflanzversuche wird zukünftig mit einer Deklarierung als Düngemittel gerechnet.

Neben der Rückführung des Phosphors in den Stoffkreislauf erfolgt eine vollständige Hygienisierung des Klärschlammes. Die organischen Schadstoffe werden eliminiert. Desweiteren wird der Klärschlammanfall auf ein Minimum (ca. 3 % der Faulschlammmenge) reduziert.

Neben dem Klärschlamm der Kläranlage Linz-Unkel werden auch die Überschussschlämme der Kläranlagen Hallerbach und Brochenbach (zusammen 10.000 E) auf der Anlage mit behandelt.

Nach der Umsetzung der 2-stufigen Kompaktfaulung, die zwischenzeitlich bundesweit als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden kann, hat der Abwasserzweckverband Linz-Unkel auch bei der thermischen Klärschlammbehandlung eine Vorreiterrolle eingenommen.

Mit der Inbetriebnahme der bundesweit ersten Mineralisierungsanlage dieser Art ist Mitte nächsten Jahres zu rechnen.