DWA-Fachtagung "Extremniederschläge und Sturzfluten"

19.09.2017| Dr. Thomas Siekmann

Fachvortrag "Sturzflutvorsorge - Werkzeuge zur Gefährdungsabschätzung und Maßnahmenentwicklung"

Gewässerseitige Überschwemmungen – sogenannte fluviale Ereignisse – sind Inhalt vieler wissenschaftlicher Studien. Entsprechend liegen Dokumentationen und Auswertungen über vergangene Hochwasserereignisse an den größeren Gewässern, wie z. B. Rhein und Mosel, vor. Durch ein flächiges Pegelnetz werden Abflüsse regelmäßig erfasst, die eine Vorhersage von Scheitelabflüssen ermöglichen. Dies versetzt zumindest die jeweiligen Unterlieger des messtechnisch erfassten Gewässerpunktes in die Lage sich auf etwaiges Hochwasser vorzubereiten.

Anders sieht es bei starkregenbedingten Überflutungen – sogenannten pluvialen Ereignissen – aus. Durch Niederschlagsereignisse mit hoher Intensität, also viel Niederschlag in einem kurzen Zeitraum, schwellen kleine Mittelgebirgsbäche, die in Trockenzeiten eher als „Rinnsal“ charakterisiert werden können, innerhalb kurzer Zeit zu „reißenden Strömen“ an. Aber auch fernab von eigentlichen Gewässerläufen konzentriert sich der niederschlagsbedingte Abfluss durch Überschreitung der Infiltrationskapazität der Böden in topographischen Tiefpunkten wie Gräben, Wegen und Straßen. Treffen diese Fließwege dann auf Gewässer, steigt die potentielle Hochwassergefahr entsprechend. Da solche pluvialen Überflutungen in der breiten Fläche auftreten können, liegt kein Messnetz – wie im Kontext fluvialer Überschwemmungen seit Dekaden etabliert – vor.

Ähnlich wie mit dem Messnetz verhält es sich auch mit Informationen zu einer potentiellen Hochwassergefährdung. Während für gewässerseitige Überschwemmungen – zumindest für die größeren Gewässer erster und zweiter Ordnung – Gefährdungs- und Risikoeinschätzungen für verschiedene Jährlichkeiten bzw. Belastungen (z. B. HQ 100) vorliegen und online für jedermann zugänglich sind, sind entsprechende Informationen zu pluvialen Überflutungen nicht verfügbar. Dies hängt auch mit einem nicht vorhandenen Messnetz zusammen, da solche Gefährdungs- bzw. Risikoeinschätzungen, die wiederum Simulationsmodellen entstammen, im Sinne der Verifizierung wesentlich von Messdaten abhängig sind.

Um sich im Sinne der Hochwasservorsorge kritischer Bereiche durch geeignete Anpassungsmaßnahmen anzunehmen, ist jedoch auch im Kontext pluvialer Überflutungen eine geeignete Vorbewertung erforderlich. In Rheinland-Pfalz werden Hochwasservorsorgekonzepte zumeist von Verbandsgemeinden (VG) erstellt, die sich für die Unterhaltung Gewässer dritter Ordnung verantwortlich zeichnen. Am Beispiel der VG Linz am Rhein ist bei Beachtung der zuvor skizzierten Aspekte („Hochwasser kann überall auftreten“) eine Untersuchung einer Fläche von rd. 65 km² angezeigt. Diese Zahl verdeutlicht, dass zumindest eine Vorbewertung, welche Punkte zuerst vor Ort zu prüfen sind, unerlässlich ist.

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